Wie wahrscheinlich ist ein Krieg in Europa? Aktuelle Szenarien und Risikoanalyse 2026

Stand: 28. September 2026

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine ist Krieg in Europa keine theoretische Möglichkeit mehr. Er findet bereits statt. Wenn Menschen in Deutschland fragen, wie wahrscheinlich ein Krieg in Europa ist, meinen sie deshalb meistens etwas anderes: Kann sich der Krieg auf weitere Staaten ausweiten? Könnte es zu einem direkten Konflikt zwischen Russland und der NATO kommen? Und wie realistisch ist ein Angriff auf Deutschland?

Eine seriöse Antwort besteht nicht aus einer einzelnen Prozentzahl. Zu unterschiedlich sind die möglichen Szenarien, Zeiträume und Auslöser. Eine fortgesetzte hybride Kampagne mit Cyberangriffen und Sabotage muss anders bewertet werden als ein begrenzter militärischer Zwischenfall an der NATO-Ostflanke oder ein großer konventioneller Krieg.

Dieser Artikel ordnet die wichtigsten Szenarien ein, benennt Unsicherheiten und zeigt, was die veränderte Sicherheitslage für Menschen in Deutschland praktisch bedeutet – sachlich, ohne falsche Entwarnung und ohne Panikmache.

Kurz gesagt: Der Krieg in der Ukraine dauert an, und hybride Angriffe auf europäische Staaten sind bereits Realität. Ein gezielter konventioneller Angriff auf Deutschland ist jedoch ein anderes und deutlich weitergehendes Szenario. Er steht nach öffentlich zugänglichen Lagebildern nicht im Mittelpunkt der unmittelbaren Bedrohung. Vollständig ausschließen lässt sich eine Eskalation dennoch nicht. Entscheidend sind der weitere Verlauf des Ukraine-Kriegs, Russlands militärische Fähigkeiten und der Zusammenhalt der NATO.

Wie groß ist die Kriegsgefahr 2026?

Die Sicherheitslage in Europa ist ernster als vor dem russischen Großangriff auf die Ukraine im Februar 2022. Trotzdem folgt daraus nicht, dass ein Angriff auf Deutschland unmittelbar bevorsteht.

Für eine nüchterne Einordnung müssen Wahrscheinlichkeit und Schadensausmaß getrennt betrachtet werden:

Szenario Einordnung für 2026 Mögliche Bedeutung für Deutschland
Fortdauer oder Intensivierung des Ukraine-Kriegs Bereits Realität Sicherheits-, Wirtschafts- und Versorgungsfolgen
Cyberangriffe, Sabotage und Desinformation Bereits feststellbar und von hoher Relevanz Störungen von Behörden, Unternehmen oder Infrastruktur
Militärischer Zwischenfall an der NATO-Ostflanke Plausibel, aber nicht automatisch der Beginn eines Krieges Politische Konsultationen und höhere militärische Bereitschaft
Bewusster begrenzter Angriff auf ein NATO-Land Kurzfristig nicht das wahrscheinlichste Szenario, aber mit sehr hohem Schadenspotenzial Deutsche Unterstützung im Rahmen des Bündnisses
Direkter konventioneller Angriff auf Deutschland Noch weitergehendes Szenario als ein Angriff auf die Ostflanke Massive militärische und zivile Folgen
Nukleare Eskalation Geringe Wahrscheinlichkeit, extremes Schadenspotenzial Europaweite Folgen; kaum sinnvoll als exakte Prozentzahl darstellbar

Diese Tabelle ist keine Vorhersage. Sie zeigt, dass unterschiedliche Risiken nicht in eine einzige Zahl gepresst werden dürfen. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen bereits laufenden hybriden Aktivitäten und einem offenen militärischen Angriff.

Was bedeutet „Krieg in Europa“?

Der Begriff wird in der öffentlichen Diskussion für sehr verschiedene Situationen verwendet. Dadurch entstehen leicht Missverständnisse.

Krieg in der Ukraine

Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine ist ein zwischenstaatlicher Krieg auf europäischem Boden. Wer allgemein nach einem Krieg in Europa fragt, muss deshalb mit dieser Tatsache beginnen.

Direkter Konflikt zwischen Russland und der NATO

Damit wären bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Russland und mindestens einem NATO-Mitglied gemeint. Ein solcher Konflikt könnte begrenzt beginnen, etwa durch einen Zwischenfall, eine Fehlkalkulation oder einen gezielten Test der Reaktionsfähigkeit des Bündnisses. Er müsste aber nicht automatisch zu einem gesamteuropäischen Krieg werden.

Angriff auf Deutschland

Auch hier ist eine Unterscheidung notwendig. Ein Cyberangriff auf ein deutsches Unternehmen, Sabotage an Infrastruktur, ein militärischer Angriff auf eine deutsche Einheit im Ausland und ein konventioneller Angriff auf deutsches Staatsgebiet sind nicht dasselbe.

Hybride Konfliktführung

Hybride Aktivitäten liegen unterhalb oder im Grenzbereich eines offenen Krieges. Dazu können Cyberangriffe, Sabotage, Spionage, Desinformation, Einflussnahme und die Störung kritischer Infrastruktur gehören.

Der Rat der Europäischen Union beschreibt solche russischen Aktivitäten gegen die EU und ihre Mitgliedstaaten als anhaltende Kampagne. Bei diesem Szenario geht es daher nicht mehr nur um die Frage, ob es eintritt, sondern auch um Intensität, Ziel und Wirkung.

Die Sicherheitslage in Europa 2026

Die NATO bezeichnet Russland weiterhin als wichtigste direkte Bedrohung für die Sicherheit der Bündnisstaaten. Gleichzeitig hat das Bündnis seine Verteidigungsplanung und seine Präsenz an der Ostflanke verstärkt.

Die NATO-Übersicht zur Ostflanke verweist unter anderem auf Luftraumverletzungen, Cyberangriffe und Sabotageakte sowie auf zusätzliche multinationale Verbände.

Auch europäische Risikoanalysen rücken hybride Bedrohungen in den Mittelpunkt. Die Expertenbefragung Global Risks to the EU 2026 bewertet einen schweren hybriden Angriff auf kritische Infrastruktur als besonders wahrscheinliches und zugleich folgenschweres Szenario. Daneben bleiben der Krieg in der Ukraine und Zweifel an der Verlässlichkeit internationaler Sicherheitsgarantien wichtige Risikofaktoren.

Das bedeutet zweierlei:

  • Die Gefahr sicherheitspolitischer Zwischenfälle und nichtmilitärischer Angriffe ist real.
  • Daraus folgt nicht automatisch, dass ein großer konventioneller Krieg unmittelbar bevorsteht.

Militärische Abschreckung, Verteidigungsplanung und Vorsorgemaßnahmen sollen gerade verhindern, dass eine solche Eskalation eintritt. Wenn Regierungen ihre Verteidigungsfähigkeit ausbauen oder Zivilschutzpläne aktualisieren, ist das deshalb noch kein Beleg für einen feststehenden Angriffstermin.

Wie sich Kriegsrisiken seriös bewerten lassen

Niemand kann das Verhalten politischer und militärischer Führungen sicher vorhersagen. Eine brauchbare Risikoanalyse sollte deshalb vier Fragen beantworten.

Welches Ereignis wird bewertet?

„Krieg“ kann einen einzelnen bewaffneten Zwischenfall, einen begrenzten regionalen Konflikt oder einen lang andauernden Krieg zwischen Bündnissen meinen. Ohne klare Definition sind Prozentangaben wertlos.

Für welchen Zeitraum gilt die Einschätzung?

Das Risiko für die kommenden sechs Monate kann deutlich anders ausfallen als das Risiko bis 2030. Vor allem ein Ende oder Einfrieren des Ukraine-Kriegs könnte Russlands Möglichkeiten verändern, Streitkräfte neu aufzustellen.

Geht es um Wahrscheinlichkeit oder Auswirkungen?

Ein seltenes Ereignis kann so schwere Folgen haben, dass Vorbereitung trotzdem sinnvoll ist. Umgekehrt kann ein häufigeres Ereignis regional begrenzt bleiben.

Woher stammen die Zahlen?

Gelegentlich veröffentlichen Fachleute quantitative Einschätzungen. Ein Working Paper des Konfliktforschers Nils-Christian Bormann basiert beispielsweise auf einer Befragung von 210 deutschen Fachleuten. Gefragt wurde nach genau definierten Konflikten zwischen Russland und einem EU-Staat innerhalb von fünf Jahren.

Solche Ergebnisse zeigen Expertenwahrnehmungen unter bestimmten Annahmen; sie sind keine mathematisch sichere Prognose. Die Forschungsseite des Autors weist die Untersuchung entsprechend als Working Paper aus.

Für diesen Artikel sind deshalb qualitative Einstufungen sinnvoller als scheinbar exakte eigene Prozentwerte.

Sechs mögliche Szenarien

Szenario 1: Der Krieg in der Ukraine dauert an oder intensiviert sich

Dies ist kein hypothetisches Szenario, sondern die Ausgangslage. Eine Intensivierung könnte mehr Angriffe auf Städte, Energieanlagen, Verkehrswege oder andere kritische Infrastruktur umfassen. Auch weitere Fluchtbewegungen und wirtschaftliche Belastungen für Europa wären möglich.

Für Deutschland würden die Folgen zunächst vor allem außerhalb des eigenen Staatsgebiets entstehen: höhere Anforderungen an militärische und humanitäre Unterstützung, mögliche Preis- und Lieferketteneffekte sowie ein erhöhter Schutzbedarf für Infrastruktur.

Szenario 2: Hybride Angriffe gegen Europa nehmen zu

Cyberangriffe, Sabotage, Spionage und Desinformation sind das Szenario mit dem größten direkten Alltagsbezug. Mögliche Ziele sind staatliche Stellen, Energie- und Kommunikationsnetze, Verkehrsbetriebe, Krankenhäuser, Unternehmen oder demokratische Prozesse.

Nicht jeder Stromausfall, technische Defekt oder Brand ist allerdings ein Angriff. Eine seriöse Zuordnung benötigt Ermittlungen und belastbare Belege. Vorschnelle Behauptungen können selbst Teil von Desinformation sein.

Szenario 3: Ein Zwischenfall an der NATO-Ostflanke eskaliert

Drohnen, Flugzeuge, Schiffe und militärische Verbände operieren teilweise in geringer Entfernung voneinander. Damit steigt die Möglichkeit von Luftraumverletzungen, Fehleinschätzungen oder unbeabsichtigten Zwischenfällen.

Ein einzelnes Ereignis führt jedoch nicht automatisch zum Krieg. Staaten können den Vorfall untersuchen, diplomatisch reagieren, ihre Einsatzbereitschaft erhöhen oder Beratungen innerhalb der NATO verlangen. Entscheidend wären Absicht, Ausmaß, Opfer, Wiederholung und die politische Reaktion beider Seiten.

Szenario 4: Russland testet die NATO mit einem begrenzten Angriff

Ein denkbares, aber erheblich weitergehendes Szenario wäre ein gezielter begrenzter Angriff auf einen NATO-Staat. Das Ziel könnte darin bestehen, den politischen Zusammenhalt des Bündnisses zu prüfen, ohne sofort einen großen Krieg anzustreben.

Gegen dieses Szenario wirkt die Abschreckung: Ein Angreifer müsste mit einer gemeinsamen Reaktion und schwer kalkulierbaren Folgen rechnen. Das Risiko hängt daher stark davon ab, wie geschlossen und verteidigungsfähig die NATO wahrgenommen wird und welche militärischen Kapazitäten Russland nach dem Ukraine-Krieg zur Verfügung hätte.

Szenario 5: Deutschland wird direkt militärisch angegriffen

Ein direkter konventioneller Angriff auf Deutschland wäre nicht der naheliegende erste Schritt einer russisch-nordatlantischen Eskalation. Deutschland liegt nicht an der Grenze zu Russland und ist in die kollektive Verteidigung der NATO eingebunden.

In einem bereits eskalierten Konflikt hätte Deutschland jedoch große strategische Bedeutung. Das Land ist politisches und wirtschaftliches Zentrum, Standort militärischer Einrichtungen sowie Transit- und Logistikraum für alliierte Kräfte. Deshalb könnten Kommunikations-, Verkehrs- und Energieinfrastruktur sowie militärische Einrichtungen zu wichtigen Zielen werden.

Diese Feststellung bedeutet nicht, dass ein Angriff unmittelbar bevorsteht. Sie erklärt, warum staatliche Stellen Vorsorge für Landes- und Bündnisverteidigung treffen.

Szenario 6: Nukleare Drohung oder Einsatz

Nukleare Abschreckung soll einen direkten Krieg zwischen Atomwaffenstaaten verhindern. Gleichzeitig wären die Folgen eines Versagens dieser Abschreckung extrem.

Zwischen politischer Drohrhetorik, einer Veränderung der nuklearen Einsatzbereitschaft, einem begrenzten Einsatz und einem strategischen Atomkrieg bestehen große Unterschiede. Sie sollten nicht zu einem einzigen Schreckensszenario zusammengefasst werden.

Für Privatpersonen sind verlässliche Warnungen und behördliche Verhaltensempfehlungen wichtiger als Spekulationen über einzelne Ziele oder Angriffstermine.

Welche Faktoren erhöhen oder senken das Risiko?

Risikosteigernde Faktoren

  • eine weitere Ausweitung oder Intensivierung des Ukraine-Kriegs
  • eine deutliche Wiederherstellung russischer militärischer Kräfte
  • wiederholte Zwischenfälle an den Grenzen oder im Luftraum von NATO-Staaten
  • politische Spaltung und Zweifel an der Beistandsbereitschaft innerhalb der NATO
  • fehlende Kommunikationskanäle zwischen den Konfliktparteien
  • zunehmende Sabotage, Cyberangriffe und Desinformation
  • Fehlinterpretationen militärischer Übungen oder Truppenbewegungen

Risikosenkende Faktoren

  • glaubwürdige Verteidigungs- und Abschreckungsfähigkeit
  • politischer Zusammenhalt von NATO und EU
  • funktionierende Krisenkommunikation
  • die hohen militärischen, politischen und wirtschaftlichen Kosten eines Angriffs
  • belastbare Rüstungskontrolle und Vereinbarungen zur Vermeidung von Zwischenfällen
  • eine stabile und durchsetzbare Friedensordnung für die Ukraine

Abschreckung und Diplomatie sind dabei keine Gegensätze. Militärische Fähigkeit kann die Kosten eines Angriffs erhöhen, während Kommunikation helfen kann, Missverständnisse und unbeabsichtigte Eskalationen zu vermeiden.

Was Artikel 4 und Artikel 5 der NATO bedeuten

In der öffentlichen Debatte wird Artikel 5 häufig als Automatismus dargestellt. So einfach ist es nicht.

Nach Artikel 4 können die NATO-Staaten Beratungen verlangen, wenn die territoriale Unversehrtheit, politische Unabhängigkeit oder Sicherheit eines Mitglieds bedroht erscheint. Solche Konsultationen sind noch kein Bündnisfall.

Artikel 5 betrifft einen bewaffneten Angriff auf einen oder mehrere Verbündete. Ein solcher Angriff wird als Angriff auf alle betrachtet. Jeder Mitgliedstaat ist dann zur Unterstützung verpflichtet, ergreift aber die Maßnahmen, die er für erforderlich hält. Diese können militärische Gewalt einschließen, sind jedoch nicht für jedes Land automatisch identisch.

Die NATO erläutert den Ablauf und den Wortlaut von Artikel 5 ausführlich.

Auch ein schwerer Cyber- oder hybrider Angriff kann grundsätzlich sicherheitspolitische Reaktionen auslösen. Ob die Schwelle zu einem bewaffneten Angriff erreicht ist, wäre jedoch eine politische und rechtliche Einzelfallentscheidung.

Was eine Eskalation für Deutschland bedeuten würde

Die wahrscheinlichsten spürbaren Folgen einer verschärften Sicherheitslage wären nicht automatisch Kampfhandlungen vor der eigenen Haustür. Denkbar sind zunächst:

  • Cyberangriffe auf Unternehmen, Verwaltungen oder Versorger
  • Sabotage oder verstärkter Schutz kritischer Infrastruktur
  • Desinformation und gefälschte Meldungen in sozialen Netzwerken
  • Beeinträchtigungen von Verkehr und Logistik
  • vorübergehende Liefer- oder Preisprobleme
  • eine stärkere militärische Nutzung von Straßen, Schienen, Häfen und Flughäfen
  • zusätzliche Anforderungen an Zivil- und Katastrophenschutz

Wie stark Haushalte betroffen wären, hinge vom konkreten Ereignis ab. Ein Ausfall eines regionalen Mobilfunknetzes erfordert andere Maßnahmen als eine Evakuierung oder ein längerer Stromausfall.

Deshalb ist eine breit nutzbare Grundvorsorge sinnvoller als der Kauf spezieller angeblicher „Kriegsausrüstung“. Viele Vorkehrungen helfen ebenso bei Hochwasser, Unwetter, technischem Ausfall oder einer persönlichen Notlage.

Wie sich Haushalte vernünftig vorbereiten können

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt allgemeine Eigenvorsorge für Krisen und Katastrophen. Ziel ist nicht, sich aus Angst einzuschließen, sondern bei zeitweisen Störungen handlungsfähig zu bleiben.

Warnungen empfangen

  • Warn-App NINA installieren und den eigenen Wohnort abonnieren
  • Cell-Broadcast-Warnungen am Smartphone aktiviert lassen
  • ein batteriebetriebenes oder anderweitig netzunabhängiges Radio bereithalten
  • lokale Sender und offizielle Informationskanäle kennen

Wasser und Lebensmittel einplanen

Das BBK nennt zehn Tage als Vorsorgeziel; bereits ein Vorrat für mindestens drei Tage ist ein sinnvoller Anfang. Plane Lebensmittel ein, die du verträgst, im Alltag verwendest und notfalls ohne aufwendiges Kochen essen kannst.

Mit Strom- und Kommunikationsausfällen rechnen

Taschenlampen, passende Ersatzbatterien, geladene Powerbanks und eine Papierliste wichtiger Telefonnummern sind für viele Notlagen nützlich. Weitere praktische Hinweise findest du im Beitrag Blackout-Sicherheit: So bereitest du dein Zuhause vor.

Dokumente und Medikamente organisieren

Wichtige Dokumente oder Kopien sollten geordnet und schnell erreichbar sein. Regelmäßig benötigte Medikamente, eine Hausapotheke und persönliche Hilfsmittel gehören in die individuelle Planung. Medizinische Vorräte sollten nicht ohne fachlichen Rat verändert oder gehortet werden.

Einen Familienplan vereinbaren

Besprecht, wie ihr euch verhaltet, wenn Mobilfunk oder Internet zeitweise nicht funktionieren. Legt Treffpunkte, Kontaktpersonen und Zuständigkeiten fest.

Ein vorbereiteter Flucht- oder Notfallrucksack kann bei einer angeordneten Evakuierung helfen, sollte aber auf realistische Bedürfnisse zugeschnitten sein.

Keine Hamsterkäufe

Ein Vorrat lässt sich schrittweise aufbauen und regelmäßig verbrauchen. Panikkäufe sind teuer, belasten andere und führen oft zu unpassender Ausrüstung.

Eine ausführliche Grundlage bietet der Leitfaden zur Krisenvorsorge.

Woran sich eine Verschärfung der Lage erkennen ließe

Ein einzelner Zeitungsartikel, eine Militärübung oder ein virales Video beweist keinen bevorstehenden Krieg. Aussagekräftiger wäre eine Kombination mehrerer Entwicklungen, zum Beispiel:

  • offizielle NATO-Konsultationen nach einem konkreten Zwischenfall
  • ungewöhnliche und anhaltende Truppenverlegungen außerhalb regulärer Übungen
  • eine deutliche Veränderung militärischer Bereitschaftsstufen
  • wiederholte bewaffnete Grenz- oder Luftraumverletzungen
  • konkrete Reise- oder Sicherheitshinweise mehrerer Regierungen
  • direkte behördliche Anweisungen zum Schutz der Bevölkerung
  • erkennbare Einschränkungen diplomatischer Kommunikationskanäle

Auch dann müsste die Lage neu bewertet werden. Starre Vorhersagen wie „In drei Jahren beginnt der Krieg“ verkürzen meist bedingte Warnungen zu scheinbar sicheren Terminen.

Verlässliche Informationen kommen vor allem von Behörden, internationalen Organisationen, etablierten Nachrichtenredaktionen und nachvollziehbar arbeitenden Forschungsinstituten. Anonyme Beiträge, Karten ohne Quelle und aus dem Zusammenhang geschnittene Videos sind keine belastbare Risikoanalyse.

Häufige Fragen

Wird es 2026 Krieg in Deutschland geben?

Niemand kann das mit absoluter Sicherheit vorhersagen. Ein direkter konventioneller Angriff auf Deutschland steht jedoch nicht im Mittelpunkt der unmittelbaren, öffentlich beschriebenen Bedrohungslage. Bereits relevant sind dagegen hybride Aktivitäten, der fortdauernde Krieg in der Ukraine und das Risiko von Zwischenfällen oder einer weiteren Eskalation.

Kann Russland Deutschland angreifen?

Russland besitzt grundsätzlich militärische Systeme mit großer Reichweite sowie Cyber- und Sabotagefähigkeiten. Ein gezielter militärischer Angriff auf Deutschland wäre aber zugleich ein Angriff auf einen NATO-Staat und mit schwer kalkulierbaren Folgen für den Angreifer verbunden. Fähigkeit und Wahrscheinlichkeit sind daher nicht dasselbe.

Ist Deutschland bereits im Krieg mit Russland?

Deutschland unterstützt die Ukraine politisch, finanziell und militärisch. Daraus folgt nicht automatisch, dass Deutschland und Russland sich völkerrechtlich in einem bewaffneten Konflikt miteinander befinden. Politische Begriffe wie „hybrider Krieg“ sollten von der rechtlichen Einordnung eines internationalen bewaffneten Konflikts getrennt werden.

Führt Artikel 5 automatisch zum Weltkrieg?

Nein. Artikel 5 verpflichtet die Verbündeten zur Unterstützung nach einem bewaffneten Angriff, schreibt aber nicht für jedes Land dieselbe Reaktion vor. Wie ein Bündnisfall beantwortet würde, hängt vom konkreten Angriff und den gemeinsamen politischen Entscheidungen ab.

Sind Cyberangriffe bereits Krieg?

Nicht jeder Cyberangriff ist ein kriegerischer Akt. Urheber, Ziel, Wirkung und Ausmaß müssen bewertet werden. Ein besonders schwerer Cyberangriff kann jedoch erhebliche sicherheitspolitische und rechtliche Reaktionen auslösen.

Muss ich mich speziell auf einen Krieg vorbereiten?

Für die meisten Haushalte ist eine allgemeine Notfallvorsorge sinnvoller. Wasser, Lebensmittel, Medikamente, Warnmöglichkeiten, Licht, Dokumente und ein Familienplan helfen bei vielen unterschiedlichen Störungen. Spezielle Anschaffungen sollten nur auf Grundlage einer realistischen persönlichen Risikoanalyse erfolgen.

Brauche ich einen privaten Bunker?

Für die allgemeine Haushaltsvorsorge in Deutschland ist ein privater Bunker keine Standardempfehlung. Wichtiger sind offizielle Warnungen, Kenntnisse über sicheres Verhalten im jeweiligen Ereignis und eine solide Grundvorsorge. Welche Schutzmaßnahme richtig ist, hängt vollständig von der konkreten Gefahr ab.

Fazit: Erhöhtes Risiko bedeutet nicht unmittelbar bevorstehenden Krieg

Wie wahrscheinlich ist also ein Krieg in Europa? In der Ukraine ist er bereits Realität. Hybride Angriffe und Versuche der Einflussnahme gegen europäische Staaten sind ebenfalls keine bloße Zukunftshypothese.

Ein offener Krieg zwischen Russland und der NATO oder ein direkter Angriff auf Deutschland sind deutlich weitergehende Szenarien. Sie lassen sich nicht seriös mit einer selbst gewählten Prozentzahl beziffern. Ihre Wahrscheinlichkeit hängt vom Verlauf des Ukraine-Kriegs, den militärischen Fähigkeiten Russlands, der Abschreckungsfähigkeit der NATO und politischen Entscheidungen ab.

Die vernünftige Reaktion liegt zwischen Sorglosigkeit und Panik: seriöse Informationen verfolgen, Entwicklungen regelmäßig neu bewerten und eine alltagstaugliche Grundvorsorge aufbauen.

Das verbessert die eigene Handlungsfähigkeit auch dann, wenn die konkrete Störung am Ende kein militärischer Konflikt, sondern ein Stromausfall, Unwetter oder technischer Ausfall ist.

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis zur Methode: Die Einordnung beruht auf öffentlich zugänglichen Quellen. Nachrichtendienstliche Erkenntnisse sind naturgemäß nur teilweise öffentlich. Die Szenarien sind keine Vorhersagen und sollten bei wesentlichen politischen oder militärischen Entwicklungen aktualisiert werden.

2 Kommentare

  1. Hallo Oliver,

    ich bin heute auf den Webseite gestoßen und finde die Zahlen zu deiner Risikoeinschätzung für verschiedene Kriegsszenarien spannend.
    Ist das eine Selbsteinschätzung oder hast du weiterführenden Literatur dazu?

    Liebe Grüße

    Vanessa

    • Hi Vanessa,
      die Prozentangaben sind nur meine persönliche Einschätzung.
      Falls du dazu aber was nachlesen möchtest, kann ich dir das Buch „Wenn Russland gewinnt“ empfehlen.
      https://amzn.to/3RNGUko
      In dem Buch wird ein mögliches Szenario erzählt, wie Russland nach dem Ende des Ukraine-Krieges weiter eskalieren könnte.

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